Zauberland und leise Lichter

Abspann. Die Namen der Beteiligten werden behutsam über die Lichtquelle gezogen. Schattenspiele, Zauberwelten, Feengesang. Alles an diesem Abend hatte die atmosphärische Dichte dieser alten Schattenspielsendungen aus frühester Kindheit, in denen seltsame Gestalten in schwarzweißen Welten umherzogen und mystische Abenteuer erlebten. Ein Phantasieort. Eine Utopie voller Magie.
Dennoch war man sich im Klaren: Da auf der Bühne steht Leslie Feist und singt, da spielt ihre Band auf und hinten, fast verdeckt die Lichtquelle mit Projektionsgerät und der Dame mit den alten Geschichten auf Zelluloid, die den Abend ins rechte Licht wirft. Das Ambiente groß, die Musik? Noch größer. Alles stimmt, die Songs, die auf den Alben manchmal verschwimmen werden live plötzlich dreidimensional und druckvoll. Jedes Gitarrenriff bricht die Wellen der Gesangsharmonien, jeder Trommelschlag lässt den Raum erschaudern. Dennoch: Am überragensten sind die Momente in denen Leslie Feist ganz allein dasteht, der Sampler ihre Stimme wiederholt und so die Songs fast wie von selbst zu entrücktester Schönheit anwachsen. Da braucht es keine Instrumentalisierung, da braucht es kein Pathos. Leslie Feist changiert an diesem Abend zwischen Billie Holiday, Joni Mitchell und Patti Smith ohne auch nur einmal wie diese zu klingen. Sie beschwört diese Momente herauf und bleibt dennoch in ihrem eigenen Land. Ein Land, das sie mit ihrer Stimme problemlos regiert. Alles fügt sich ein. Nonchalant spielt sie mit dem Publikum, das ihr an diesem schwülen Sommerabend jedes Wort von den Lippen stiehlt. Und als das Licht angeht, da stehen sie da, als hätten die Eltern grad den Fernseher ausgemacht. Verträumt und schweißnass. Wie damals.
Setlist:
Feist. 1.6. 2008. Jahrhunderthalle Frankfurt.




